„Kann und darf die Kirche schweigen? Nimmermehr!“

Mit diesen Worten setzte sich Wilhelm Freiherr von Pechmann (1859-1948), der erste gewählte Präsident der Evangelisch-Lutherischen Generalsynode in Bayern, zu seiner Zeit entschieden für die Menschen ein, die unter dem NS-Regime zu leiden hatten. Und getreu seinem Wahlspruch und Vermächtnis verleiht die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern den „Pechmann-Preis“. Er fördert herausragende wissenschaftliche Forschungsarbeiten und Leistungen in Bildungsarbeit und Publizistik, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen. Außerdem werden überzeugende Beispiele für Gemeinsinn und Zivilcourage in der Gegenwart ausgezeichnet.

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Ausschreibung

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern schreibt für das Jahr 2021 den Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preis aus.

Der Preis fördert die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus. Ausgezeichnet werden herausragende Leistungen in der historisch-wissenschaftlichen Forschung oder in Bildungsarbeit und Publizistik, vor allem zur damaligen Rolle von Kirche und Christentum. Außerdem können überzeugende Beispiele für Gemeinsinn und Zivilcourage in der Gegenwart ausgezeichnet werden.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde gestiftet zum Gedächtnis an Wilhelm Freiherr von Pechmann (1859-1948), den ersten gewählten Präsidenten der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Der Bankier bekleidete zahlreiche nationale und internationale Ehrenämter in der evangelischen Kirche und begleitete deren Weg durch die NS-Zeit kritisch. Der Preis würdigt seine besonderen Verdienste um Humanität und Recht, Christentum und Kirche sowie sein entschiedenes Eintreten für die Opfer von Rassismus und Antisemitismus.

Eine Jury aus namhaften Vertreter:innen von Kirche und Wissenschaft befindet über die Zuerkennung dieser Auszeichnung. Die vorzulegenden Arbeiten sollen in sich abgeschlossen und nicht älter als drei Jahre sein (ab 4/2018). Auch Gruppen, Vereine und Initiativen können sich bewerben.

Die Bewerbungen sind zu senden an den

Kirchenkreis München und Oberbayern
Katharina-von-Bora-Straße 7-13
80333 München

Bevorzugt können Sie Ihre Bewerbungen digital einreichen. Bitte senden Sie die Unterlagen an: philipp.stoltz@elkb.de

Der Bewerbung sind folgende Informationen beizufügen: kurze Inhaltsangabe, Lebenslauf bzw. Vorstellung der Gruppe, genaue Kontaktdaten. Einsendeschluss ist der 1. Juli 2021.

Jury

Christina Flauder
Mitglied im Landessynodalausschuss der ELKB

"Mit der Verleihung des Pechmann-Preises setzt unsere Kirche ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Intoleranz und Gewalt. Für mich gelingt damit der Brückenschlag zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, zwischen Erinne-rungsarbeit und Prävention. Die Preisträgerinnen und Preisträger sind für mich Brückenbauerinnen und Brück-enbauer. Sie bauen Brücken zwischen den Zeiten, zwischen den Generationen und über gesellschaftliche Abgründe der Unversöhnlichkeit und der Polarisierung hinweg. So sind wir im Geist der Versöhnung unterwegs, aus dem Christen leben."

Christian Kopp
Regionalbischof im Kirchenkreis München und Oberbayern

"Wer laut ist, ist noch nicht im Recht. Doch wer spricht, wo die Opfer verstummen und andere nur schweigen, beeindruckt mich. Wilhelm Freiherr von Pechmann ist für mich ein Vorbild. Der Preis soll Mut machen, für Zivilcourage und Gemeinsinn die Stimme zu erheben."

Prof. Dr. Harry Oelke
Inhaber des Lehrstuhls für Kirchengeschichte II an der Ludwig-Maximilians-Universität München

"Der Pechmann-Preis unter-nimmt einen erinnerungs-kulturellen Brückenschlag – von der historischen Person in die Gegenwart. Wilhelm Freiherr von Pechmann war ein kritischer Geist. Das macht ihn zum Vorbild. Wir brauchen Vorbilder dieser Art, in einer Zeit in der Werte und Normen relativiert werden. Ich freue mich und begrüße es außerordentlich, dass die ELKB diesen Preis ausgeschrieben hat."

Dr. Annekathrin Preidel
Präsidentin der Landessynode der ELKB

"Die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus ist eine bleibende Zukunftsaufgabe. Mit der Verleihung des Pechmann-Preises halten wir das Bewusstsein für diese Aufgabe wach. Wir setzen ein Ausrufezeichen, Widerstand zu leisten und niemals den Mächten zu dienen, die nicht dem Leben, sondern nur sich selbst dienen und dadurch unsere Gesell-schaft zerstören."

Klaus Schlicker
Dekan im Dekanatsbezirk Windsbach und Mitglied im Landessynodalausschuss der ELKB

"Ich soll nicht müde werden, aus treuer Liebe heraus zu reden, wo nur allzu viele schweigen." - So beantwortet Wilhelm von Pechmann die Frage, was Gott von ihm will. Gottes- und Nächstenliebe motivieren ihn zu unerschrockenem Einsatz für Menschen, denen Unrecht geschieht. Der Pechmann-Preis erinnert an einen Ermutiger für uns heute!

Dr. Axel Töllner
Beauftragter für christlich-jüdischen Dialog in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern

Der Wilhelm von Pechmann-Preis ist für mich aus zwei Gründen besonders wichtig: Er würdigt Menschen und Initiativen, die mir helfen zu verstehen, wo wir herkommen und was uns prägt – gerade auch dadurch, dass sie hinschauen in die Abgründe. Und er würdigt Menschen und Initiativen, die mir deutlich machen, dass es immer Spielräume gibt für Courage, Aufrichtigkeit und vorbildliches Handeln.

Sindy Winkler
Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bayerischen Bündnis für Toleranz, Demokratie und Menschenwürde schützen

Wilhelm von Pechmann wandte sich gegen die Ideologie und den Terror der National-sozialisten und trat Antisemitismus entschieden entgegen, deshalb ist er für mich ein Vorbild. Ein solches Engagement gilt es zu würdigen. Deshalb ist der Wilhelm von Pechmann-Preis für mich sehr wichtig, denn er zeichnet engagierte Menschen aus, die sich für Toleranz und Vielfalt und gegen Antisemitismus, Rassismus und Gruppenbezogene Menschen-feindlichkeit einsetzen. Ihr Engagement ist für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft von entscheidender Bedeutung, dafür verdienen sie Anerkennung und Würdigung.

Bisherige Auszeichnungen

2008

  • Jutta Neupert, „Gottvertrauen und Zivilcourage. Evangelische Opfer des NS-Regimes“, in der Sonderreihe „Stationen“, Fernsehproduktion BR vom 21.11.2007.
  • Sigena-Gymnasium Nürnberg, „Verfolgt, Vertrieben, Ermordet. Die 120 Jüdinnen vom Mädchenlyzeum“, Gedenkband, erarbeitet von Schülern der 9. Klasse, 2007.
  • Axel Töllner, „Eine Frage der Rasse? Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, der Arierparagraf und die bayerischen Pfarrfamilien mit jüdischen Vorfahren im ‚Dritten Reich‘“, Stuttgart 2007.

2009

  • Bürgerforum Gräfenberg, „Zivilgesellschaftliche Initiative für Demokratie und gegen Rechtsextremismus“.
  • Dr. Thomas Greif, „Frankens brauen Wallfahrt. Der Hesselberg im Dritten Reich“
  • Pfr. Dr. Björn Mensing / Sabine Gerhardus, „Namen statt Nummern - Dachauer Lebensbilder und Erinnerungsarbeit“
  • Ehrenpreis: Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Kantzenbach, „Widerstand und Solidarität der Christen in Deutschland 1933-1945 Eine Dokumentation zum Kirchenkampf aus den Papieren des D. Wilhelm Freiherr von Pechmann“.

2011

  • Emmi Hetzner und die Klasse M9 der Stephani-Mittelschule Gunzenhausen, „Die Geschichte jüdischer Familien und ehemals jüdischer Wohnhäuser im Gunzenhausen des 20. Jahrhunderts“.
  • Dr. Jörg Skriebeleit, Erinnerungs- und Bildungsarbeit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg / Kerstin u. Jörg Schröder, Evang. Jugend Oberfranken, „International Youth Meetings in Flossenbürg“.
  • Maximiliane Saalfrank / Thies Marsen, „Blauer Strich heißt Leben, rotes Kreuz bedeutet Tod. Vor 70 Jahren begann die Euthanasie der Nazis“ (Bayerischer Rundfunk).
  • Ehrenpreis: Prof. Dr. Wolfgang Sommer, „Wilhelm Freiherr von Pechmann: Ein konservativer Lutheraner in der Weimarer Republik und im nationalsozialistischen Deutschland“, Göttingen 2009.

2013

  • Christiane Moll, “Alexander Schmorell, Christoph Probst. Gesammelte Briefe“.
  • Katarina Agathos/Dr. Michael Farin/PD Dr. Susanne Heim, „Die Quellen sprechen. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945. Eine dokumentarische Höredition“.
  • Schülerinnen und Schüler des Caspar-Vischer-Gymnasiums Kulmbach mit OStR Christian Kramer, „Stolpersteine Kulmbach“.
  • Sonderpreis der Präsidentin der Landessynode und der Regionalbischöfin im Kirchenkreis München: Dr. Gabriele Knetsch, „Retterinnen ohne Ruhm. Zivilcourage im Nationalsozialismus“.

2016

  • Kreisverband Ansbach der Evangelischen Landjugend (ELJ), für die beiden Veranstaltungen „Orte des Grauens – Zeichen der Hoffnung“, eine Erkundungsfahrt zu fünf Stationen des Nationalsozialismus. Sowie „Lebensborn: Himmlers SS und ihre Kinder in Ansbach“, Erzählcafé im Bezirksklinikum Ansbach.
  • Bürgerinitiative „Wunsiedel ist bunt, nicht braun“, Jugendinitiative gegen Rechtsextremismus Wunsiedel, Evang.-Luth. Kirchengemeinde Wunsiedel, Projektstelle gegen Rechtsextremismus „bunt – nicht braun“, Evang. Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad, für das Projekt „Rechts gegen Rechts – Der unfreiwilligste Spendenlauf Deutschlands.“

2018

  • Hans Rößler: Nationalsozialismus in der fränkischen Provinz. Neuendettelsau unterm Hakenkreuz. Neustadt/Aisch 2017.
  • Dr. theol. Rebecca Scherf: Evangelische Kirche und Konzentrationslager 1933 bis 1945. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München.
  • Nancy Brandt, „Seine Kirche aber schwieg“. Zum 75. Todestag des evangelischen Kirchenjuristen und NS-Opfers Martin Gauger. Bayern 2. Evangelische Perspektiven. Ausstrahlung am 20. November 2016; und „Seine Kirche aber schwieg.“ Bayerisches Fernsehen. Stationen. Ausstrahlung am 16. November 2016.
  • Julia Fritzsche / Sebastian Dörfler, Das Pogrom von Hoyerswerda: Eine Reise in die Gegenwart. Bayern 2. Hörbild und Feature. Sendung vom 17. September 2016.
  • Monika Greier, Zwangssterilisation und das Verhalten der Gehörlosenseelsorge – Schritte zur Aufarbeitung. Die evangelische Gehörlosenseelsorge und das „Wort an die erbkranken evangelischen Taubstummen“ von 1936. Schuld und Verantwortung. In: Das Zeichen. Zeitschrift für Sprache und Kultur Gehörloser 105 (2017), S. 6-18.
  • Sonderpreis: Maria Merz, Dr. Heinrich Maier – Ein Wiener Geistlicher im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Vorwissenschaftliche Arbeit. Klasse 8b, Döblinger Gymnasium Wien, Betreuerin: Ursula Pleschko. 12. Februar 2016.
Wilhelm Freiherr von Pechmann

Wilhelm Freiherr von Pechmann (1859-1948) war der erste gewählte Präsident der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Pechmann war entschiedener Gegner des „Dritten Reiches“ und bekleidete - neben seinem Hauptberuf als leitender Banker – zahlreiche nationale und internationale kirchliche Ehrenämter. Der Preis würdigt seine besonderen Verdienste um Humanität und Recht, Christentum und Kirche sowie sein Eintreten für die Opfer von Rassismus und Antisemitismus.

Informationen in der Online-Ausstellung "Widerstand!?"

Kontakt

Bitte wenden Sie sich bei Fragen zu Preisausschreibung und Verleihung an

Pfarrer Philipp Stoltz
Telefon: 089 5595-415
Mail: philipp.stoltz@elkb.de

Die Bewerbungen können Sie digital an Pfarrer Stoltz einreichen oder auf dem Postweg an den

Kirchenkreis München und Oberbayern
Katharina-von-Bora-Straße 7-13
80333 München

Der Bewerbung sind folgende Informationen beizufügen: kurze Inhaltsangabe, Lebenslauf bzw. Vorstellung der Gruppe, genaue Kontaktdaten.